Herausforderung für Nieren und Sorge um Spermien: Urologen warnen vor Folgen des Klimawandels
Hitze belastet die Nieren: Wenn der Körper austrocknet, nimmt die Nierenfunktion ab, der Urin wird hochkonzentriert, und das Risiko für Nierensteine, Harnwegsinfekte und akute Nierenschäden steigt. Davor warnt die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) mit Blick auf zunehmende Hitzeperioden durch den Klimawandel. Zudem kann Hitze die Spermienqualität mindern – ob der Klimawandel die männliche Fruchtbarkeit beeinflusst, ist aber noch nicht erforscht.
Warum warnen Urologen vor Hitze?
Während der Corona-Pandemie rückten der Klimawandel und seine gesundheitlichen Folgen in den Hintergrund. Angesichts wiederkehrender Hitzewellen forderten die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, die Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen und das Aktionsbündnis Health for Future einen umfassenden Hitzeschutzplan. Die DGU warnt vor einer langfristigen Zunahme urologischer Erkrankungen. „Die gesundheitlichen Folgen häufigerer Extremhitze beschränken sich nicht auf Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Infektionen. Sie erhöhen ebenso die Risiken für urologische Erkrankungen – von Harnsteinen bis zu schweren Nierenschäden“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler.
Wie schadet Hitze den Nieren?
„Die Nieren spielen eine zentrale Rolle beim Schutz vor hitzebedingten Folgen, sind aber selbst Zielorgan hitzeassoziierter Schäden“, erklärt Prof. Dr. Ralph Kettritz, Nephrologe an der Charité Berlin. Bei extremer Hitze müssen die Nieren Wasser und Blutsalze (Elektrolyte) im Gleichgewicht halten. Gelingt das nicht, verliert der Körper wichtige Stoffe, und die Nierendurchblutung sinkt. Gleichzeitig schüttet der Körper maximal das antidiuretische Hormon (ADH) aus, um Wasser zu sparen. Die Folgen:
- Akute Nierenschädigung (acute kidney injury, AKI),
- Harnwegsinfekte, weil der geringe Urinfluss aufsteigende Infektionen begünstigt,
- Nierensteine (Urolithiasis), weil sich im hochkonzentrierten Urin leichter Steine bilden,
- bis hin zu chronischen Nierenschäden.
Erste Daten der US-amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften deuten bereits darauf hin, dass sich der „Nierenstein-Gürtel“ in den USA hitzebedingt nach Norden ausdehnt. Laut Prof. Dr. Joachim Steffens, Chefarzt der Urologie am St.-Antonius-Hospital Eschweiler, könnte Hitze auch das Risiko für Wundinfektionen nach Operationen erhöhen; eine Verlegung von Eingriffen in kühlere Monate sei in Deutschland aber derzeit nicht nötig.
Tipp: Trinken Sie an heißen Tagen ausreichend, damit der Körper nicht austrocknet – das entlastet die Nieren. Besonders ältere Menschen und Menschen mit Nierenerkrankungen sollten darauf achten und im Zweifel ärztlich klären, wie viel sie trinken dürfen.
Kann Hitze die Fruchtbarkeit von Männern beeinträchtigen?
Möglicherweise. „Eine erhöhte Umgebungstemperatur der Hoden vermindert die Spermienqualität und kann dadurch die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen“, sagt Prof. Steffens. Nicht ohne Grund liegen die Hoden außerhalb der Körperhöhle: Dort ist es zwei bis drei Grad kühler als die Körperkerntemperatur von 37 °C, was eine gute Samenqualität ermöglicht. Bekannt ist, dass eine Krampfader am Hoden (Varikozele) die Temperatur im Hodensack erhöht und nachweislich die Fruchtbarkeit mindert. Ob sich das auf eine Zunahme der Unfruchtbarkeit durch den Klimawandel übertragen lässt, ist jedoch offen – wissenschaftliche Daten dazu gibt es noch nicht.
Warum mehr Forschung nötig ist
„Es gibt noch keine systematische Forschung zu Einflüssen der Erderwärmung auf Erkrankungen des Harntrakts und der männlichen Geschlechtsorgane“, sagt Prof. Steffens, ehemaliger DGU-Präsident. Er regt interdisziplinäre Forschungsverbünde, etwa mit der Nephrologie, an, um die urologischen Folgen des Klimawandels besser zu verstehen.
Häufige Fragen
Warum ist Hitze schlecht für die Nieren?
Bei Hitze trocknet der Körper leichter aus. Das stört den Wasser- und Salzhaushalt, senkt die Nierendurchblutung und konzentriert den Urin – dadurch steigen die Risiken für Nierensteine, Harnwegsinfekte und akute Nierenschäden.
Bekommt man bei Hitze eher Nierensteine?
Ja. Im hochkonzentrierten Urin bilden sich leichter Steine. Daten aus den USA zeigen, dass sich das Risikogebiet für Nierensteine mit steigenden Temperaturen ausdehnt.
Mindert Hitze die Spermienqualität?
Ja, höhere Temperaturen im Hoden verschlechtern die Spermienqualität. Ob der Klimawandel die männliche Fruchtbarkeit insgesamt beeinflusst, ist noch nicht erforscht.
Wie schütze ich meine Nieren bei Hitze?
Vor allem durch ausreichendes Trinken. Menschen mit Nierenerkrankungen sollten ihre Trinkmenge ärztlich abklären.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU)
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
