Ernährung

Alles über das Süßkraut Stevia

Kaffeetasse – mit Stevia kalorienfrei gesüßt

Stevia (Stevia rebaudiana) ist eine Pflanze mit süß schmeckenden Blättern. Im Handel erhältlich ist aber meist nicht das Blatt, sondern der daraus industriell gewonnene Süßstoff Steviolglycosid (E 960), der rund 300-mal süßer ist als Zucker. Der Diabetes- und Ernährungsexperte Sven-David Müller erklärt, was hinter dem Süßkraut steckt.

Stevia oder Steviolglycoside – was ist der Unterschied?

Stevia ist mehr als eine tropische Pflanze mit süßen Blättern. Ihr botanischer Name lautet Stevia rebaudiana. Ursprünglich stammt sie aus Paraguay und Brasilien; heute wird sie in vielen Ländern angebaut.

Steviolglycoside werden in einem aufwendigen Verfahren von der chemischen Industrie aus den Blättern gewonnen, die meist in Monokultur angebaut werden. Seit Dezember 2011 sind sie in der Europäischen Union als Süßstoff mit der E-Nummer E 960 zugelassen. Die Blätter selbst waren zum Zeitpunkt des Interviews nach der Novel-Food-Verordnung nicht als Süßungsmittel oder Lebensmittel zugelassen – den aktuellen Stand prüfen Sie am besten beim Bundesinstitut für Risikobewertung oder der Verbraucherzentrale.

Haben Steviolglycoside Vorteile gegenüber anderen Süßstoffen?

Laut Sven-David Müller nicht. Mit Thaumatin und Neohesperidin DC gibt es bereits Süßstoffe mit natürlicher Quelle, und auch gegenüber Cyclamat, Saccharin, Aspartam oder Acesulfam bieten Steviolglycoside keinen Vorteil. Hinzu kommt: Viele Menschen empfinden den Geschmack als unangenehm – lakritzartig und bitter.

Ist Stevia gesund?

Stevia hat praktisch keine Kalorien, ist für Menschen mit Diabetes geeignet und verursacht keine Karies. Nach Aussage des Experten erzeugen Süßstoffe – anders als oft behauptet – keinen Hunger, haben keinen Masteffekt und beeinflussen weder die Insulinausschüttung noch die Blutzuckerregulation.

Unbegrenzt verzehren sollte man Steviolglycoside trotzdem nicht. Die akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI-Wert) liegt bei 4 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einer sehr „süßen“ Ernährungsweise, besonders bei Kindern, ist dieser Wert schnell überschritten. Mehr über Zuckeralternativen lesen Sie im Beitrag Alternative Süßungsmittel.

Stevia selbst anbauen: Süße aus dem Blumentopf

Wer natürlich süßen möchte, kann Stevia im Garten, auf dem Balkon oder in der Wohnung ziehen. Die Pflanze ist eher unscheinbar, hat weiße Blüten und gehört wie der Löwenzahn zu den Korbblütlern. Ihre behaarten Blätter werden bis zu 3,5 cm lang. Sie ist mehrjährig, verträgt aber keinen Frost. So gelingt der Anbau:

  • Standort: viel Sonne, ausreichend Wasser, wenig Dünger.
  • Pflege: regelmäßig zurückschneiden – so verzweigt sich die Pflanze und bildet mehr Blätter.
  • Ernte: die Blätter vor der Blüte ernten.
  • Vermehrung: aus Samen oder über Stecklinge; Pflanzen gibt es in Gärtnereien, Bau- und Pflanzenmärkten oder online.
  • Verwendung: frische oder getrocknete Blätter zum Süßen von Tee, Kaffee oder Kompott.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Stevia und Steviolglycosiden?

Stevia ist die Pflanze Stevia rebaudiana mit süßen Blättern. Steviolglycoside sind ein industriell aus den Blättern gewonnener Süßstoff, der in der EU seit Dezember 2011 als E 960 zugelassen ist.

Wie viel süßer als Zucker ist Stevia?

Steviolglycoside sind rund 300-mal süßer als Zucker.

Wie viel Stevia darf man am Tag essen?

Der ADI-Wert für Steviolglycoside liegt bei 4 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Bei Kindern ist diese Menge bei sehr süßer Ernährung schnell überschritten.

Ist Stevia für Diabetiker geeignet?

Ja. Stevia hat praktisch keine Kalorien und beeinflusst laut Ernährungsexperte Sven-David Müller den Blutzucker nicht.

Kann man Stevia selbst anbauen?

Ja, im Garten, auf dem Balkon oder in der Wohnung. Die Pflanze braucht viel Sonne, ausreichend Wasser, wenig Dünger und regelmäßigen Rückschnitt; geerntet wird vor der Blüte.

Quelle: Informationen des Diabetes- und Ernährungsexperten Sven-David Müller (ellviva-Ernährungsredaktion).

Bildnachweis: Carli Jean, unsplash.com

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

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